Steigende Umsätze bedeuten nicht automatisch, dass ein Unternehmen am Fälligkeitstag seiner Steuern über ausreichend liquide Mittel verfügt. Während Kunden längere Zahlungsziele erhalten, können Lieferantenrechnungen, Personalkosten und Steuerzahlungen in derselben Woche fällig werden. Deshalb sollten die Meldezeiträume der Umsatzsteuer in der Türkei gemeinsam mit dem Zahlungseingangs- und Auszahlungskalender sowie dem Buchhaltungsabschluss betrachtet werden. Eine verlässliche Vorbereitung setzt voraus, die voraussichtliche Zahllast bereits während des laufenden Zeitraums zu schätzen und frühzeitig festzulegen, welche Mittel dafür zur Verfügung stehen.
Ziel der Planung ist es, die Steuerzahlung zu leisten, ohne den laufenden Geschäftsbetrieb zu beeinträchtigen. Dazu sollten Verkaufsbuchungen, Einkaufsbelege, kundenspezifische Zahlungsziele und verfügbare Bankguthaben in einer gemeinsamen Übersicht verfolgt werden. Wird die monatliche Steuerschätzung mit den wöchentlichen Zahlungsbewegungen abgeglichen, lassen sich mögliche Engpässe bereits vor dem Zahlungstermin erkennen. Die Geschäftsleitung kann dann anhand konkreter Daten entscheiden, welche Forderungen vorrangig einzuziehen sind und welche Ausgaben erneut geprüft werden sollten.
Wie werden die Abgabe- und Zahlungstermine der Umsatzsteuer in den Liquiditätsplan aufgenommen?
Zunächst ist der Besteuerungszeitraum, dem die Geschäftsvorfälle zuzuordnen sind, getrennt von den Abgabe- und Zahlungsterminen zu erfassen. Für die monatliche türkische Umsatzsteuererklärung Nr. 1, die KDV-Erklärung, endet die allgemeine Abgabe- und Zahlungsfrist mit Ablauf des 28. Tages des Folgemonats. Aufgrund von Feiertagen, Fristverlängerungen und unterschiedlichen Erklärungsarten sollten die für das Unternehmen geltenden Termine jedoch in jedem Zeitraum geprüft werden. Anschließend wird der Zahlungskalender für die Umsatzsteuer in die Liquiditätsplanung übernommen.
Der Kalender sollte außerdem interne Termine für das Zusammenstellen der Belege, die Prüfung der Buchhaltung, die Freigabe der Erklärung und die Vorbereitung der Bankzahlung enthalten. Werden Unterlagen nicht erst am letzten Tag gesammelt, lässt sich die voraussichtliche Zahllast früher eingrenzen. Die Finanzabteilung aktualisiert daraufhin den erwarteten Kontostand für die Zahlungswoche, während die Buchhaltung fehlende Einträge ergänzt. Zuständigkeiten für die Erstellung und Freigabe des Zahlungsauftrags sollten im Voraus festgelegt werden, um Verzögerungen bei der Abwicklung zu vermeiden.
Wie lässt sich die zu zahlende Umsatzsteuer vor der Abgabe schätzen?
Für die Schätzung wird die auf die Umsätze des Zeitraums berechnete Steuer gemeinsam mit der abziehbaren Vorsteuer aus ordnungsgemäßen Einkaufs- und Ausgabenbelegen betrachtet. Ein vorgetragener Vorsteuerüberschuss aus dem vorherigen Zeitraum sowie gegebenenfalls erforderliche Berichtigungen sind ebenfalls zu berücksichtigen. Für eine verlässliche Liquiditätsplanung für die Umsatzsteuer sollte diese Berechnung bereits während des Monats aktualisiert werden. Lediglich einen festen Prozentsatz auf den Umsatz anzuwenden, kann den tatsächlichen Mittelbedarf verzerrt darstellen, weil unterschiedliche Steuersätze und Abzugsmöglichkeiten unberücksichtigt bleiben.
In einem vereinfachten Beispiel beträgt die auf die Umsätze berechnete Steuer 300.000 TRY, die abziehbare Vorsteuer des Zeitraums 180.000 TRY und der vorgetragene Vorsteuerüberschuss 40.000 TRY. Ohne weitere Geschäftsvorfälle oder Berichtigungen ergibt sich eine geschätzte Zahlung von 80.000 TRY. Sobald die Buchungen vervollständigt werden, ist dieser Betrag neu zu berechnen. Erwartete Vorsteuerabzüge aus noch nicht getätigten Einkäufen dürfen nicht als gesichert gelten. Ebenso darf ein vorgetragener Vorsteuerüberschuss nicht als Zahlungseingang erfasst werden, der das Bankguthaben erhöht.
Wie lassen sich Kundenzahlungen mit dem Fälligkeitstag der Umsatzsteuer abstimmen?
Bei Warenlieferungen und Dienstleistungen hängt die Entstehung der Steuer grundsätzlich nicht davon ab, wann der Kunde bezahlt. Ein noch nicht vereinnahmter Rechnungsbetrag verschiebt die entsprechende Steuerpflicht daher nicht automatisch auf einen späteren Zeitpunkt. Unternehmen sollten die erwarteten Zahlungseingänge je Kunde mit dem Fälligkeitstag der Steuer vergleichen und zeitliche Lücken ermitteln. Besonders bei einem hohen Anteil an Verkäufen mit langen Zahlungszielen kann eine erhebliche Differenz zwischen den verbuchten Erlösen und dem tatsächlich verfügbaren Bankguthaben entstehen.
Neben den vertraglich vereinbarten Zahlungszielen ist das tatsächliche Zahlungsverhalten der Kunden zu berücksichtigen. Eine regelmäßig verspätete Zahlung allein aufgrund ihres vertraglichen Fälligkeitstermins als sichere Finanzierungsquelle einzuplanen, kann irreführend sein. Vertrieb und Finanzabteilung sollten größere offene Forderungen gemeinsam prüfen. Bei neuen Verkäufen können angemessene Anzahlungen oder Teilzahlungen vereinbart werden. Solche Vereinbarungen können Zahlungseingänge vor dem Steuertermin ermöglichen und den Finanzierungsbedarf innerhalb des Zeitraums verringern.
Wie werden bei Verkäufen auf Ziel liquide Mittel für die Umsatzsteuer bereitgestellt?
Geht die Zahlung für einen Verkauf auf Ziel erst nach dem Steuertermin ein, sollte dessen Beitrag zur gesamten Zahllast des Zeitraums im Voraus berechnet werden. Das Unternehmen kann den Mittelbedarf aus frei verfügbarer Liquidität oder früher fälligen Forderungen decken. Dafür kann es sinnvoll sein, einen Teil der laufenden Zahlungseingänge als gesondert überwachte Liquiditätsreserve vorzuhalten. Der Betrag sollte anhand der erwarteten Nettozahllast des gesamten Zeitraums und der vorhandenen Reserve bestimmt werden, nicht allein anhand der Steuer auf einer einzelnen Rechnung.
Wie werden verspätete Kundenzahlungen im Umsatzsteuerzahlungsplan berücksichtigt?
Sobald eine Forderung überfällig ist, sollte das erwartete Eingangsdatum im Liquiditätsplan angepasst und die Finanzierungslücke bis zum Steuertermin neu berechnet werden. Getrennte Szenarien für einen fristgerechten und einen verspäteten Zahlungseingang machen den zusätzlichen Mittelbedarf sichtbar. Mit dem Kunden kann ein konkreter Zahlungstermin oder eine Teilzahlung vereinbart werden. Bleibt eine Lücke bestehen, sind die vorhandene Reserve, verschiebbare Ausgaben und Finanzierungsoptionen mit kalkulierten Kosten gemeinsam zu prüfen. Für die zuständigen Personen sollte dabei ein realistischer Umsetzungstermin festgelegt werden.
Wie wird die Liquiditätsreserve für die Umsatzsteuerzahlung bestimmt?
Die Reserve sollte sich an der geschätzten Nettozahllast und der Unsicherheit dieser Schätzung orientieren. Für jedes Unternehmen denselben Prozentsatz zurückzulegen, bildet saisonale Umsatzschwankungen und Zahlungsrisiken möglicherweise nicht ausreichend ab. Ein wirksames Liquiditätsmanagement für Umsatzsteuerzahlungen berücksichtigt deshalb sowohl die erwartete Zahllast als auch frühere Abweichungen zwischen Planung und tatsächlicher Zahlung. Ein größerer Verkauf, ein fehlender Einkaufsbeleg oder ein hoher erwarteter Zahlungseingang von einem einzelnen Kunden kann die Höhe des erforderlichen Sicherheitspuffers verändern.
Liegt die geschätzte Steuerzahlung beispielsweise bei 90.000 TRY und wurden dafür bereits 70.000 TRY reserviert, beträgt die grundlegende Deckungslücke 20.000 TRY. Entscheidet sich das Unternehmen aufgrund seiner eigenen Unsicherheitsbewertung für einen zusätzlichen Puffer von 10.000 TRY, sind insgesamt noch 30.000 TRY bereitzustellen. Dieser Puffer ist weder gesetzlich vorgeschrieben noch ein allgemeingültiger Standardbetrag. Ist die Reserve im gesamten Bankguthaben enthalten, muss sie bei der Berechnung der für laufende Ausgaben verfügbaren Mittel entsprechend berücksichtigt werden.
Wie werden andere Auszahlungen in der Woche der Umsatzsteuerzahlung priorisiert?
In der Zahlungswoche sollten Steuern, Löhne und Gehälter, Mieten, Kreditraten und Lieferantenzahlungen gemeinsam auf Tagesbasis betrachtet werden. Eine ausreichende Liquidität über den gesamten Monat garantiert nicht, dass am Steuertermin das erforderliche Bankguthaben vorhanden ist. Deshalb sind für jeden Tag der Anfangsbestand, die erwarteten Zahlungseingänge und die geplanten Auszahlungen gesondert zu verfolgen. Neben der Einhaltung gesetzlicher und vertraglicher Fristen muss auch die Mindestliquidität berücksichtigt werden, die zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs benötigt wird.
Zeichnet sich ein Engpass ab, können noch nicht verbindlich zugesagte Investitionen und frei disponierbare Ausgaben neu terminiert werden. Änderungen an Lieferantenzahlungen sollten zuvor mit dem jeweiligen Geschäftspartner vereinbart werden. Wird die Steuerreserve für andere Ausgaben eingesetzt, weil ein noch unbestätigter Kundenzahlungseingang erwartet wird, kann kurzfristig zusätzlicher Finanzierungsbedarf entstehen. Auch Bankbearbeitungszeiten, Überweisungsfristen zwischen Konten und interne Freigabeprozesse gehören in die Planung, damit die für die Steuerzahlung vorgesehenen Mittel rechtzeitig verfügbar sind.
Wie wird der Liquiditätsplan für den nächsten Zeitraum nach der tatsächlichen Umsatzsteuerzahlung aktualisiert?
Nach erfolgter Zahlung sollten der geschätzte und der tatsächlich gezahlte Betrag verglichen und die Ursachen möglicher Abweichungen dokumentiert werden. Höhere Umsätze als erwartet, verspätet eingegangene Belege, Warenrückgaben oder Buchungskorrekturen können die Schätzung verändert haben. Werden diese Ursachen getrennt betrachtet, lässt sich die Reserve für den nächsten Zeitraum genauer bestimmen. Die Abgabe der Erklärung und die Ausführung der Bankzahlung sind unabhängig voneinander zu prüfen. Im Liquiditätsplan werden anschließend die Schätzwerte durch den tatsächlich gezahlten Betrag und den daraus resultierenden Bankbestand ersetzt.